Erfahrungsbericht: Stammzellen-Spende

Nachdem auf meiner Seite viel Schabernack und Albereien zu finden sind, wird es nun mal ein klein wenig Ernst.

Am 13./14. März 2006 habe ich die Möglichkeit bekommen, einem Menschen evtl. das Leben zu retten.

Ich spendete Knochenmark bzw. Stammzellen für eine leukämiekranke Person. Anliegen dieser Seite ist es, ein paar Vorurteile über das Knochenmarkspenden aus der Welt zu schaffen und dabei
möglichst viele Menschen dazu animieren sich in das
Zentrale-Knochenmarkspender-Register-Deutschland (ZKRD)
einzutragen.

Vor allem dieses
Informationsblatt
möchte ich euch ans Herz legen! Hier erfahrt erfahrt ihr unter anderen, wie man heutzutage Stammzellen spendet. Das Knochenmark bleibt dabei nämlich meistens unangetastet (und mit RÜCKENmark hat die ganze Geschichte sowieso NICHTS zu tun – Angst vor Querschnittslähmungen etc. sind also völlig unbegründet).

Im Folgendes möchte ich einfach mal chronologisch berichten, wie es zu diesem einzigartigem Erlebnis kam.

Irgendwann im Januar 2005:

Es war mal wieder Zeit zum Blutspenden. Auf dem Weg zum Deutschen Roten Kreuz hielt die Straßenbahn vor einem Werbeplakat der DKMS (Deutsche Knochenmark Spende) auf dem so ein rotgekleiderter Supermann abgebildet war. Während ich später auf der Liege lag und mir Blut abgenommen wurde, fragte ich eine Krankenschwester nach der DKMS. Zwei Minuten später kam die “diensthabende” Ärztin und wies die Krankenschwester an, ein zusätzliches Röhrchen mit Blut zu füllen. Nach der Blutspende habe ich mich dann über 20 Minuten mit der Ärztin unterhalten und schließlich mein Einverständnis gegeben in die Knochenmarkspendedatei aufgenommen zu werden. (PS: ich hatte schon länger mit diesen Gedanken gespielt – war also keine Hau-Ruck-Aktion) Schon kurze Zeit später kam ein Danke-Schön- und Bestätigungsschreiben vom ZKRD (Im zentralen Knochenmarkspende-Register (ZKRD) laufen alle verschiedenen Knochenmarkspendedateien zusammen, wobei die DKMS den größten Anteil daran hat). Bei den meisten Knochenmarkspendedateien muss bzw. sollte man die Kosten für die Blutanalyse (meist ca. 50 €) selbst zahlen. In meinem Fall hat die DRK die Kosten übernommen. Ob das die Regel ist oder nur bei langjährigen Blutspendern so gehandhabt wird, kann ich nicht sagen. Aber fragen kostet auf jeden Fall nix. :-)

22. Dezember 2005:

Ich erhielt folgenden Brief:

“Sehr geehrter Herr….., […] Wir haben nun vom ZKRD eine Nachricht
erhalten, dass Sie unter Umständen als Blutstammzellspender für einen an
Leukämie erkrankten Patienten in Frage kommen. Dazu ist eine weiterführende
Gewebemerkmalsuntersuchung erforderlich, zu der wir eine neue Blutprobe von
Ihnen benötigen. […]”

Anfang Januar 2006:

Eine furchtbar nette Ärztin der Transfusionsmedizin nahm mir Blut ab,
erzählte mir in aller Ausführlichkeit ALLES über die Knochenmarkspende und
bedankte sich in jedem Satz, dass ich mich bereitwillig als Spender zur
Verfügung stellen möchte.

31.Januar 2006:

Ich erhielt folgenden Brief:

“[…] Sie waren als eventueller Knochenmarkspender aufgrund unserer
Bitte vor kurzem zu einer Blutuntersuchung, durch die festgestellt werden
sollte, ob Ihre Blutmerkmale völlig mit denen eines in Frage kommenden
Leukämie-Patienten übereinstimmen, gebeten worden. Wir haben jetzt die
Mitteilung vom Transplantationszentrum, dass dies der Fall ist […] Wir geben
Ihnen umgehend Bescheid.”

Zwei Tage später:

Meine betreuende Ärztin vom DRK ruft mich an und teilt mir mit, dass ich als
Spender gewünscht werde. Wir vereinbaren mögliche Termine für die
Voruntersuchung und den Spendetermin. Dabei wurde auch sehr flexibel auf meinen
Zeitplan eingegangen. Selbst ein einwöchiger Mallorca-Urlaub Ende März stellte
kein Problem dar und die Termine wurden so gelegt, dass sowohl mein Wohl, als
natürlich auch das des Patienten berücksichtigt worden.

14. Februar 2006:

Ich reiste zur Voruntersuchung nach Hamburg ins Universitätsklinikum
Eppendorf. Dort wurden haufenweise Röhrchen mit meinem Blut gefüllt und
anschließend auf alle erdenklichen Viren und dergleichen überprüft. Außerdem
gab es EKG, Ultraschall, Urinproben und und und.. kurz und knapp: ein richtiger
Rund-Um-Check. Ich fand es übrigens spitze einfach mal richtig gründlich
durchgecheckt zu werden. Es macht einen doch zufrieden, wenn man weiß, dass man
kerngesund ist. Es war übrigens faszinierend mit welcher Freundlichkeit man
dort von den behandelten Ärzten empfangen wurde. Jeder Einzelne informierte
mich nochmal ganz genau, wie die Spende abläuft und welche Risiken bestehen. Es
kam mir schon fast zu den Ohren raus. :-) Viele haben sich auch ganz herzlich
dafür bedankt, dass ich mein Knochenmark spende. Ein wirklich schönes
Gefühl…

10. März 2006:

Das Spritzen des Hormons beginnt…. Zu meiner eigenen Überraschung hatte
ich überhaupt keine Nebenwirkungen. Mir ging es prächtig und ich habe mir
schon Sorgen gemacht, ich hätte mir das Zeug an den falschen Ort gespritzt.
Lief aber alles glatt. Die Spritzen sind so klein und dünn… da merkt man fast
nix. Grippeartige Nebenwirkungen sind aber wohl eher die Regel als die Ausnahme. Ein Mädel das gleichzeitig mit mir Stammzellen spendete, hat über weit größere Nebenwirkungen geklagt, als ich. Dennoch war es erträglich in ihren Augen. (Anmerkung aus dem Jahr 2014: ein Freund von mir durfte mittlerweile auch Stammzellen spenden. Er hat über relativ starke grippeähnliche Symptome berichtet und musste auch auf Schmerzmittel (Paracetamol glaube ich) zurückgreifen. Er fand es jedoch erträglich und hat es nie bereut. Ich erwähne das hier nur, um klarzumachen, dass meine durchweg positiven Erfahrungen wohl nicht für jeden zutreffen werden.)

13. März 2006: Der große Tag der Spende

Für mich wurde ein Hotel in der Nähe von dem Uni-Klinikum gemietet. Nach der Übernachtung von Sonntag auf Montag bin ich gegen 07:15 Uhr zum
Krankenhaus marschiert. Dort angekommen wurde ich schon von sehr netten Krankenschwestern und einer netten Ärztin empfangen. In Zivilkleidung bin ich dann ins Bett gekrochen, hab mir zwei Zugänge stechen lassen (wie beim Blutspenden auch) und musste dann der meisterlichen Aufgabe nachkommen, einen blauen Ball rhythmisch zu drücken. Das ist quasi wie bei einer Blutplasmaspende, für diejenigen, die sowas schon mal gemacht haben. An meinem rechten Arm wird
das Blut entnommen und zur Zentrifuge geleitet. Da die unterschiedlichen Blutbestandteile sich in der Masse unterscheiden,
bilden sich Schichten von gleichen Zellen (die schweren Zellen “fliegen” außen, die leichten “innen”). Die Maschine sammelt
nun die benötigten Stammzellen ab und führt den Rest mir wieder zu. Das fließt dann in meinen linken Arm wieder rein.

Während des Prozesses sind ca. 250-300 ml Blut außerhalb meines Körpers, also weniger als wenn man z.B. ne ganz normale Blutspende tätigen würde. Die Prozedur dauerte allerdings 4 Stunden, was durchaus ein wenig Stress für den Körper bedeutet. Wenn man dem medizinischen Personal noch ein Loch in den Bauch fragt, dann vergeht die Zeit auch relativ schnell.

Nach vier Stunden wurden mir dann die Zugänge entfernt und ich wurde wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Da es mir sehr gut ging, war ich anschließend noch etwas Shoppen in Hamburg. Nachmittags kam jedoch ein Anruf vom Krankenhaus, dass ich morgen nochmal hinmüsse, weil die gespendete Menge noch nicht ganz ausreichend war. Tja… also noch nen gemütlichen Abend im Hotel und morgens wieder ab ins Krankenhaus. Ich fand es nicht schlimm, da für mich persönlich die Spende keine große Belastung darstellte. Ich möchte aber auch hier noch einmal darauf hinweisen, dass in vielen Fällen auch wirklich unangenehme Nebenwirkungen (meist grippeartige Symptome) auftreten. Auch die Spende selbst ist sicherlich bei jedem unterschiedlich (wie man es bei z.B. Plasmaspenden ja auch kennt). Der eine hat einen guten Blutfluss, der andere weniger. Eine nicht ganz optimal sitzende Nadel ist bei einer 4-stündigen Spende sicher schnell belastend und auch das meist nicht ganz entspannte Daliegen ist auf Dauer etwas anstrengend. Ich hatte Glück und bei mir lief es optimal.

14. März 2006:

Mein Empfänger wiegt 85kg und ich dünner Hecht erheblich weniger… meine Spende hat leider nicht ganz gereicht,
so dass ich nun nochmal ran musste, allerdings mit verkürzter Dauer. Es ist übrigens nicht ungewöhnlich, dass man am
folgenden Tag nochmal spenden muss. Damit hatte ich auch gerechnet.. war also nicht schlimm.

22. Mai 2008:

Ich erhielt ein Schreiben vom DRK:

“Sehr geehrter Herr Arbeiter,

nun sind inzwischen mehr als 2 Jahre seit ihrer Blutstammzellspende vergangen. […] Danach ist die Blutstammzelltransplantation insofern erfolgreich verlaufen, dass die Blutstammzellen komplett angewachsen sind und im Blut des Patienten nachgewiesen werden konnten. Im weiteren Verlauf konnte der Patient aus dem Krankenhaus entlassen werden. Später kam es dann jedoch zu einer Nebenwirkung, die bei der Transplantation [..] häufig vorkommt, in diesem Fall aber sehr schwer verlief und dazu führte, dass der Patient wieder stationär aufgenommen werden musste. Es erfolgte eine langwierige Behandlung eienr chronischen Abstoßungsreaktion, die jedoch nicht erfolgreich beherrscht werden konnte, so dass der Patient leider im Dezember 2006 verstorben ist.  […]”

Tja.. irgendwie hatte ich mich darauf gefreut, dass man nach den 2 Jahren evtl. etwas vom Patienten erfährt. Mit so einer Nachricht rechnet man natürlich nicht. Trotzdem hoffe ich, dass meine Spende wenigstens ein paar Wochen Lebensqualität und vor allem Hoffnung gegeben hat.

Wenn euch der Bericht gefallen, könnt ihr euch gerne im Gästebuch verewigen. Vielleicht konnte ich ja sogar den einen oder anderen zur Eintragung in ein Knochenmark-Spende-Register (z.B. über DKMS oder DRK) überzeugen.

Im Gästebuch findet ihr auch viele Kommentare, Anmerkungen und Fragen von anderen Stammzellspendern, die vielleicht zusätzlich zu den hier gegebenen Informationen hilfreich sein können.

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Website von Mathias Arbeiter